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Begriffe des Color Management

Farbe
 

Das normalsichtige menschliche Auge kann eine gewisse Menge an Wellenlängen elektromagnetischer Strahlung wahrnehmen,
nämlich jene, die wir als sichtbares Licht bezeichnen. Sichtbares Licht ist also die Gesamtheit aller möglichen Farben.
Normalerweise setzen sich Farben aus einer Vielzahl an Wellenlängen und deren Intensitäten zusammen. Weißes Tageslicht
beinhaltet Wellenlängen aus dem gesamten sichtbaren Lichtspektrum
mit ziemlich ausgewogenen Intensitäten. Bunte, intensive Farben setzen sich nur aus bestimmten Wellenlängenbereichen zusammen bzw.
haben dort "Maxima". Je stärker die Gewichtung auf einen bestimmten Wellenlängenanteil ausfällt, desto intensiver, reiner
oder gesättigter ist der Farbeindruck. Farben sind demnach nichts weiter als unterschiedliche Zusammensetzungen von Lichtwellen.
Daher ist die umfassendste und exakteste Beschreibung einer Farbe deren sog. spektrale
Verteilung.

Die Art und Weise, über welchen Weg Licht unsere Netzhaut erreicht, kann unterschiedlich sein. Es kann entweder
direkt von einer Lichtquelle zum Auge gelangen (hier spricht man von Lichtfarben), oder über Umwege. Einer dieser Umwege
ist Remission (Reflexion), der andere Transmission (Transzendenz, Transluzenz). Farben, die durch die partielle Remission
von Wellenlängen auftreffenden Lichtes entstehen, nennt man Körperfarben.
Farbkonvertierung
 

Farbkonvertierung (color conversion) bedeutet im Color Management, dass Farbwerte von einem Quellfarbraum in einen Zielfarbraum
übertragen werden, z.B. im Rahmen einer Farbmodus-Änderung. Im Color Management bedeutet das, dass dafür Farbprofile für beide Farbräume vorliegen
und einer der vier Rendering Intents (RIs) als Konvertierungsmethode angewendet wird. Und zwar auch dann, wenn dem Anwender
im Zuge der Konvertierung die verwendeten Farbräume und RIs nicht kommuniziert oder zur Auswahl gestellt werden. In solchen Fällen ist es
dem Anwender oft möglich, über Grundeinstellungen der verwendeten Applikation zu bestimmen, welche RIs und Farbräume bei der Konvertierung
zur Anwendung kommen, leider ist das aber nicht bei allen Programmen in ausreichendem Maß möglich.
Farbkonvertierung bedeutet immer zwingend, dass sich die Farbwerte und meist auch deren Bezugssysteme verändern, wenn auch der Farbeindruck
(im Idealfall) vollständig erhalten bleibt. Aus diesem Grund sind Farbkonvertierungen immer mit - zumindest kleinen - Informationsverlusten
behaftet und nicht 1:1 umkehrbar. Daher sollten sie möglichst "sparsam" angewendet werden.
Farbmetrik
 

Farbmetrik (colorimetry) ist - allgemein gesprochen - die Wissenschaft der Beschreibung von Farben in Form von Zahlen.
Je nachdem, welche Informationen benötigt werden, kann Farbmetrik an Hand von sehr detaillierten Informationen ( Spektrale Verteilung)
betrieben werden oder innerhalb vereinfachter Modelle, wie z.B. der im CM üblichen und für das Auge optimierten Mischfarbensysteme. In jedem Fall
bedeutet Farbmetrik, dass es sich im jeweiligen Kontext um eindeutige Farb-Zahlen-Zuweisungen bzw. Messwerte handelt.
Im Color Management sind Farbangaben dann eindeutig, wenn sie entweder als absolute Farbbeschreibungen vorliegen,
oder als Mischfarbkombinationen (RGB, CMYK) bei gleichzeitig vorliegender Beschreibung des verwendenten Bezugssystems.
Letztere Beschreibungen liegen im Color Management als Farbprofile vor.
Farbmetrische Konvertierungs- und Abbildungsmethoden sind jene, die auf exakte Farbreproduktion abzielen.
(Siehe auch: Rendering Intents.)
Farbprofile
 

ICC-Farbprofile (ICC profiles) beinhalten entscheidende Informationen für die Funktion von ICC Color Management. Wichtigste Komponente jedes
Farbprofils ist der Farbraum oder Gamut. Je nachdem, welchem Medientyp ein Farbprofil
zugeordnet ist, ist der Farbraum darin auf unterschiedliche Weise beschrieben. RGB-Farbräume
können in vielen Fällen "geometrisch" an Hand der Koordinaten von lediglich 5 "Eckpunkten" beschrieben werden, nämlich jene des
Schwarzpunkts, des Weißpunkts und der
Grundfarben (Primärfarben, Primaries) Rot, Grün und Blau. Solche simplen "Matrixprofile" werden oft für Monitore und
Arbeitsfarbräume verwendet. "Von Außen" erkennt man Matrix-Profile an ihrer geringen Dateigröße,
die oft nur ~500 Byte ist. Komplexere Farbräume, wie z.B. Druckerfarbräume, benötigen detailliertere interne Beschreibungsmethoden,
da sich die Geometrie des Farbraumes nicht mehr alleine an Hand von Eckpunkten und Kurven definieren lässt. In solchen Fällen sind
große Mengen an Messpunkten nötig, die als Tabellen (Lookup Tables, LUTs) im Profil gespeichert werden - daher die Bezeichnung
"LUT-Profile". LUT-Profile können bis zu 2 MB groß sein.

ICC Farbprofile kann man grob in 4 Typen einteilen:

| Eingabeprofile (input profiles, scnr): Für Scanner oder Digitalkameras, normalerweise RGB-basierend. |

| Monitorprofile (display profiles, mntr): Für Computermonitore und RGB-Arbeitsfarbräume, RGB-basierend. |

| Druckerprofile (output profiles, prtr): Für Drucker und Druckmaschinen/verfahren. Je nach Druckertyp
CMYK- oder RGB-basierend. Profile für Druckverfahren typischerweise in Versionen für
unterschiedliche Papiertypen (gestrichen, ungestrichen). |

| Spezielle Profile (link, spac, nmcl und abst): Auf diese wird hier aus Relevanzgründen vorerst nicht
genauer eingegangen. |
Die drei erstgenannten Profiltypen sind jene, mit denen man bei der täglichen Arbeit hauptsächlich zu tun hat, wobei Druckerprofile
und Arbeitsfarbräume jene sind, von denen man als Designer in der Regel mehrere besitzt, und die man am besten "kennen" sollte.
Monitorprofile benötigt man nur jeweils eines für jeden verwendeten Bildschirm, dieses sollte dafür aber möglichst genau sein.
Bei Scannerprofilen (sofern man mit Color Management-fähiger Scannersoftware arbeitet) verhält es sich ähnlich.

Über die internen Funktionsweisen von Farbprofilen ließe sich viel sagen, das meiste ist aber eher wissenschaftlich und in der
praktischen Anwendung von Color Management (in Folge CM) völlig irrelevant, daher wird hier darauf verzichtet.
Wichtig ist allerdings, sich zu vergegenwärtigen, dass Farbprofile nicht nur Farbräume beschreiben, sondern dass dadurch
für alle Farben des verwendeten gerätespezifischen Farbsystems universelle,
absolute Farbbeschreibungen vorliegen (siehe: L*a*b-Farben). Ebendiese exakten Farbbeschreibungen sind das Herzstück
des CM, da erst sie eine korrekte Übertragung der Farben von einem Farbraum in einen anderen erlauben.

Druckerprofile können weiters Informationen darüber beinhalten, wie Farben aus größeren Farbräumen in den Profilfarbraum
integriert werden können und - wenn es sich um CMYK-Farben handelt - wie die resultierenden CMYK-Werte genau beschaffen sind.
Das betrifft im Speziellen die Menge an generiertem Schwarz in neutralen und dunklen Farbbereichen. CMYK-Profile
bestimmen hier wesentliche druckspezifische Eigenschaften wie den Schwarzaufbau und
Gesamtfarbauftrag. Nachdem diese Information in CMYK-Profilen statisch festgeschrieben ist, kann man sie als
Anwender nicht einfach beeinflussen und benötigt für jede verwendete Drucktechnik entsprechend geeignete Farbprofile. Diese mangelnde
Flexibilität war und ist einer der Hauptkritikpunkte an ICC Color Management.

ICC-Farbprofile liegen entweder als separate Dateien vor (unter Windows als *.icc oder *.icm), alternativ können sie aber auch
direkt in Dokumente eingebettet werden. Als Dateien vorliegende Farbprofile müssen
installiert werden, um verwendet werden zu können. Betriebssysteme wie Apple Mac OS oder Microsoft Windows besitzen systemeigene
Color Management Systeme (CMS) und haben spezielle Ordner für Farbprofile. Je nachdem, ob die jeweils verwendete
CM-fähige Applikation diesen Systemstandard respektiert, wird an diesem Ort beim Start nach Farbprofilen gesucht. In der Praxis besitzen
viele Applikationen aber (auch) eigene Profil-Ordner, die dem Anwender bekannt sein müssen, um Profile dort ablegen und verwenden zu können.
Das führt oft dazu, dass die gleichen Farbprofildateien mehrfach auf der Festplatte vorkommen.
Können nun die CM-fähigen Applikationen auf die benötigten Farbprofile zugreifen (durch Einbettung oder Installation), können
diese für Farbkonvertierungen verwendet und beim Speichern in Dokumente eingebettet werden.
Farbreproduktion
 

Von Farbreproduktion spricht man, wenn Farben aus einem Farbraum
(z.B. dem einer Digitalkamera) in einen anderen (z.B. den eines Laserdruckers) übertragen werden sollen.
Damit Farben exakt reproduzierbar sind, müssen sie innerhalb der Schnittmenge der beiden Farbräume liegen.
Ist aber der Quellfarbraum größer als der Zielfarbraum, kann bei der Reproduktion
das Problem auftreten, dass bestimmte Farben vom Zielmedium nicht korrekt abgebildet werden können. Für die Konvertierung
zwischen unterschiedlich großen Farbräumen gibt es mehrere Methoden und Arbeitsweisen. Im Idealfall ist farbmetrische - also exakte -
Abbildung aller Farben die beste Arbeitsweise. Wenn das nicht möglich ist, gibt es unterschiedliche Lösungsansätze, wie mit nicht
reproduzierbaren Farben umgegangen wird. Dazu gehören Gamut-Mapping und "manuelle" Farbtransformationen. Mehr
dazu bei den Rendering Intents.
Farbräume
 

Farbräume (color spaces) sind abstrakte Gebilde. Das räumliche Anschauungsmodell ist für Farben deshalb so gut geeignet, weil diese
(wegen der "trichromatischen" Natur unseres Sehsinnes) sehr gut mit Hilfe von 3 Zahlenwerten beschrieben werden können.
Farbräume im Color Management verwenden als "räumliches Universum" üblicherweise das L*a*b-System.
In diesem System hat jede sichtbare Farbe eine eindeutige Position, also konkrete Koordinatenwerte, an Hand derer
exakte Berechnungen durchgeführt werden können.

Die Summe aller möglichen Farben eines speziellen Farbsystems (z.B. RGB oder
CMYK) bildet in diesem Koordinatensystem einen virtuellen Körper, der als Farbraum bezeichnet wird.

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Klicken Sie auf das Bild um den Farbraum-Viewer zu öffnen

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Die räumliche Form bzw. deren Grenzflächen bestimmen, welche Farben "innerhalb" und welche "außerhalb" des jeweiligen Farbraumes liegen, und somit,
welche Farben darin abbildbar bzw. überhaupt möglich sind. Der dadurch definierte Gesamtfarbumfang wird auch als Gamut bezeichnet.
Die Formen solcher Farbräume können sehr unterschiedlich sein. Die "grobe Erscheinung" eines Farbraumes definiert sich hauptsächlich dadurch,
welches Farbsystem ihm zu Grunde liegt. RGB-Farbräume, also solche, die mit additiver Farbmischung
zu Stande kommen, haben eine andere, meist einfachere Form, als CMYK-Farbräume, welche komplexere
subtraktive Farbmischsysteme repräsentieren. Seine Größe ergibt sich hauptsächlich
dadurch, wie intensiv die verwendeten Primärfarben sind.

Eine formale Gemeinsamkeit aller Farbräume ist, dass sie oben die hellsten Farbtöne beinhalten, unten die dunkelsten und
in den Randzonen des Mittelbereiches die bunten, von denen die Grund- oder Primärfarben jene mit der höchsten Sättigung sind, also
räumlich gesehen die seitlichen Eckpunkte bilden. Auf der gedachten Linie zwischen dem hellsten Punkt ( Weißpunkt)
und dem dunkelsten Punkt ( Schwarzpunkt) liegen die neutralen Grauwerte.

Wozu gibt es Farbräume?
Darstellungsgmedien wie z.B. Computermonitore können nicht alle sichtbaren Farben darstellen. Selbes gilt auch für Druckverfahren oder
fotografische Wiedergabetechniken - sie alle haben unterschiedliche, limitierte Fähigkeiten, Farben darzustellen.
Wenn Farben reproduziert - also von einem Medium in ein anderes transportiert - werden sollen,
ist es nötig zu wissen, welche farblichen Möglichkeiten die verwendeten Medien besitzen. Farbräume oder Gamuts beschreiben nicht mehr und
nicht weniger als genau das. Sie liefern exakte mathematische Beschreibungen für die Gesamtmenge der jeweils darstellbaren Farben.
Farbräume sind wesentliche Bestandteile
jener Informationen, die in Farbprofilen gespeichert sind.
Farbsehen
 
 Das menschliche Auge hat Rezeptoren für drei Farbbereiche innerhalb der Wellenlängen des sichtbaren
Lichtspektrums: Jeweils eine Art für langwelliges (Rot), mittleres (Grün) und kurzwelliges
(Blau) Licht [Anm: "Rot", "Grün" und "Blau" ist hier stark simplifiziert]. Jeder dieser Farbrezeptoren (Zapfen) ist dabei nicht nur für eine einzige Wellenlänge empfindlich,
sondern für einen gewissen Bereich. Jeder Bereich hat ein Maximum der Reizempfindlichkeit bei einer bestimmten Wellenlänge, "benachbarte"
Wellenlängen werden mit zunehmendem Abstand vom Maximum weniger stark erfasst.
Dadurch, dass sich jeweils zumindest zwei Rezeptor-Empfindlichkeitsbereiche überschneiden, ergibt sich für jede Zusammensetzung an Wellenlängen
( Spektrale Verteilung) eine spezifische Kombination von drei Reizintensitäten, die vom Gehirn
als ein bestimmter Farbeindruck interpretiert wird.

Dadurch aber, dass die einzelnen Rezeptoren nicht feststellen können, durch welche Lichtwellenlängen sie genau gereizt werden, sondern nur
wie stark, kann ein und der selbe Farbeindruck durch unterschiedliche Zusammensetzungen zu Stande kommen. Dieser Umstand ermöglicht es uns,
sehr viele Farbeindrücke durch Mischung (Addition/Subtraktion) von Grundfarben zu erzeugen.

Dieses "trichromatische" (dreifarbige) Prinzip des Farbsehens spiegelt sich in unserem gesamten Umgang mit Farben und deren Reproduktion wider.
Scanner und Digitalkameras verwenden das selbe Prinzip, um Farben differenzieren
und abspeichern zu können und Computermonitore haben rot, grün und blau leuchtende Bildpunkte (siehe Additive Farbmischung).
Selbiges Modell ist auch dafür verantwortlich, dass Farben digital mit drei Werten beschrieben werden können, dass Farbmischsysteme
(zumindest theoretisch) mit drei Grundfarben auskommen und dass die Namen vieler Farbbeschreibungssysteme aus drei Buchstaben bestehen
(RGB, HSV, YUV, L*a*b, XYZ, etc.). Auch die Dreidimensionalität der Farbräume kommt schlussendlich daher.

Auf die subjektiven und möglicherweise individuell unterschiedlichen Aspekte des Farbsehens und der Farbempfindung wird hier nicht
näher eingegangen, weil sie nicht messbar und kaum verbalisierbar sind. Im Color Management wird davon ausgegangen, dass das Farbsehen
"normalsichtiger" Menschen innerhalb bestimmter Grenzen sehr ähnlich ist. Testreihen, die für die Spezifikationen der grundlegenden
Referenzsysteme von Color Management gemacht wurden, haben das bestätigt.
Farbtemperatur
 

Farbtemperatur (color temperature) ist für Nicht-Physiker ein irreführender Begriff, weil er von seiner Bedeutung her der intuitiven
Farbempfindung widerspricht. Warum? Farben, die wir normalerweise als warm bezeichnen - nämlich orangerote Töne - sind auf der
Farbtemperaturskala weiter unten angesiedelt, bläuliche Töne (die man intuitiv als kühl bezeichnet) haben eine hohe Farbtemperatur.
Daran muss man sich erst mal gewöhnen. Notwendig zu wissen ist, dass die Farbtemperatur in Kelvin (K) angegeben wird, die
physikalische Erklärung, wie es dazu kommt, ist in unserem Kontext aber völlig unerheblich. (Wer es dennoch unbedingt wissen möchte:
Planck'sches Strahlungsgesetz bei Wiki)



Die Farbtemperatur wird im Color Management oft zur Beschreibung des Weißpunktes eines
Farbraumes oder einer Lichtquelle verwendet. Weißpunkte typischer Farbräume liegen oft
bei 5000 oder 6500 K. Kunstlicht hat aber teilweise weitaus niedrigere Weißpunkte bis hinab zu 2500 K, was
beim Vergleich von Monitorfarben mit jenen reflektierender Vorlagen (wie Fotoabzügen oder Drucksorten) ein erhebliches Problem darstellt.
Aus diesem Grund ist die Wahl des Umgebungslichtes ein entscheidendes Kriterium bei der
Errichtung von Arbeitsplätzen für farbkritische Anwendungen.
Fotometrisches Rendering
 

Gleichbedeutend mit Perzeptives Rendering.
Gamma
 

Der Begriff "Gamma" in unserem Kontext kommt von einer Eigenheit, die Röhrenmonitore ( CRT-Monitore) besitzen.
Auf Grund mehrerer physikalischer Gesetze ist die Energiemenge, die bei einer Bildröhre zum Leuchten aufgewendet wird, nicht proportional
zur resultierenden Helligkeit. Die Bildröhre verhält sich also nicht "linear". Diese Nicht-Linearität lässt sich mit einer mathematischen
Funktion ausdrücken: Der Gamma-Funktion. Der Gamma-Wert, der in dieser Funktion die Hauptrolle spielt, sagt dabei aus, wie stark die
Abweichung im Verlauf des Energieaufwandes zur erzeugten Leuchtdichte ist. Höhere Gammawerte (1-unendlich) bedeuten, dass bei gleicher Energie
durchschnittlich geringere Leuchtdichten resultieren, niedrigere Gammawerte (0-1) das Gegenteil. Gamma 1,0 wäre linear.

Gamma und Monitore
Typische CRT-Monitore besitzen von sich aus einen Gamma-Wert von 2,2 - 2,5. TFT-Monitore imitieren diesen Gammawert - was sie technisch nicht müssten,
was aber nötig ist, um die aktuellen Standards zu erfüllen.
Gamma 2,2 (=Standard auf Windows-PCs und im Web) bedeutet z.B., dass 50% zugeführter Energie am Bildschirm nur ca. 21% Helligkeit
erzeugen. Unter Mac OS war lange ein Gamma von 1,8 Standard - hier ergeben 50% Energie ca. 29% Helligkeit.
Wie auch immer der Gammawert eines verwendeten Monitors ist - um Helligkeiten damit richtig darstellen zu können, muss der Computer,
der das Bildsignal produziert, davon wissen und die Signalwerte dahingehend korrigieren. Das nennt sich Gammakorrektur. Unterschiedliche
Computer und Betriebssysteme gehen dabei von ihren Standards (z.B. 2,2 oder 1,8) aus. Der Benutzer ist dabei darauf angewiesen, dass
der Monitor tatsächlich auch den vom Computer angenommenen Gammawert erfüllt. Für farbkritische Anwendungen werden die Standards nicht genau genug
eingehalten. Aus diesem Grund ist hier eine Kalibrierung und ggf.
Korrektur des Monitor-Gamma erforderlich, um eine genaue Darstellung der Helligkeitsverteilung zu erhalten.


Gamma und Farbräume
Nachdem CRT-Monitore (und ihr Gamma) lange Zeit das Maß der Dinge digitaler Farbe darstellten, wurde bei der
Spezifikation der Standard- Farbräume (wie z.B. sRGB) beschlossen, deren Gamma-Verhalten zu
übernehmen (es gibt auch noch andere Gründe dafür, die ich hier nicht genauer erläutern will). Das bedeutet, dass in einem Gamma 2,2-Farbraum
mehr Farbwerte für die dunklen Bildbereiche zur Verfügung stehen, als für die hellen. Als Anwender bemerkt man davon aber nichts,
es sei denn, man ändert dieses Bezugssystem z.B. durch die Zuweisung eines Farbraumes
mit abweichendem Gamma. Bei Farbkonvertierungen zwischen Farbräumen mit abweichenden Gamma-Werten, werden diese
natürlich kompensiert und die Helligkeiten bleiben erhalten.

Gamma und Druck
Druckerfarbräume besitzen ebenfalls "gamma-ähnliche" Nicht-Linearitäten bei der Tonwertübertragung auf das Papier, auch wenn diese andere
physikalische Gründe haben als am Monitor (Siehe: Punktzuwachs). Obwohl diese Abweichungen von der idealen, regelmäßigen
Tonwertverteilung bei jedem Druckverfahren unterschiedlich sind, kann man im Durchschnitt von einer Gamma 1,8-ähnlichen "Verzerrung" der
Werte-Helligkeits-Übertragung sprechen. Das ist auch der Grund, warum auf Apple Macintosh-Computern seit jeher Gamma 1,8 der (künstliche)
Monitor-Standard war: Bessere Übereinstimmung mit dem Druckergebnis. Mittlerweile kann man diese Maßnahme als Relikt aus der
Vor-Color-Management-Zeit betrachten. Arbeitsfarbräume, die speziell für Druck-Umgebungen geschaffen wurden
(z.B. ECI-RGB oder ColorMatch RGB), besitzen aus dem eben erwähnten Grund einen internen Gamma-Wert von 1,8: Er vermindert Informationsverluste
bei der Umrechnung der RGB-Farben in den Druckerfarbraum.
Gamut
 

Gamut, Farbumfang oder Gesamtfarbumfang ist die Gesamtmenge aller darstellbaren Farben eines Mediums und kann
mit dem Begriff Farbraum gleichgesetzt werden.
Gamut-Mapping
 

Gamut-Mapping ist eine Methode, Farben aus dem Quellfarbraum (=Quellgamut) in den Zielfarbraum
(=Zielgamut) zu konvertieren. Im Gegensatz zu farbmetrischen Konvertierungsmethoden, die nur jene Farben beim Transfer erhalten,
die in beiden Farbräumen vorliegen können (siehe auch: Absolut Farbmetrisches Rendering, Relativ
Farbmetrisches Rendering), ist Gamut-Mapping eine Technik, die alle Farben des Quellfarbraumes in den Zielfarbraum überträgt.
Dies ist allerdings nur möglich, indem sich die Farbpositionen durch Kompression und/oder Expansion des Quellfarbraumes verlagern.
Siehe auch: Perzeptives Rendering.
Gamutwarnung
 

Gamutwarnung (gamut warning) oder auch Farbumfangswarnung ist eine Programmfunktion, die viele CM-fähige Applikationen anbieten.
Sie zeigt jene Farben des Dokumentes, die sich nicht farbmetrisch in den
gewählten Zielfarbraum übertragen lassen, maskiert an. Die Maskierungsfarbe lässt sich dabei meist
frei wählen. Die Gamutwarnung ist eine große Hilfe um nötige Farbmanipulationen vorzunehmen, damit das Dokument ohne
"Überraschungen" konvertiert werden kann. Diese Manipulationen sind meist Entsättigungen nicht reproduzierbarer,
bunter Farbbereiche oder Aufhellungen zu dunkler Töne (Tiefen, Schatten). Wichtig: Gamutwarnung ist nur dann sinnvoll, wenn man
relativ farbmetrisch oder
absolut farbmetrisch konvertiert - also nicht
perzeptiv oder
sättigungsorientiert!
Leider wird das in den meisten Applikationen nicht ausreichend kommuniziert.
Geräteabhängige Farbsysteme
 

Gleichbedeutend mit Gerätespezifische Farbsysteme.
Gerätespezifische Farbsysteme
 

Als "gerätespezifisch" oder auch "geräteabhängig" (device dependent) bezeichnet man Mischfarbsysteme, die durch die speziellen Eigenschaften
ihrer Grundfarben (Primärfarben) nur limitiertes Farbwiedergabevermögen - und damit keine Allgemeingültigkeit besitzen.
RGB- und CMYK-Farbsysteme sind immer gerätespezifisch, weil die Eigenschaften ihrer Grundfarben - technisch bedingt - variieren.
Um exakte Aussagen über Mischfarben solcher Systeme machen zu können, müssen Eigenschaften und das Zusammenwirken der Grundfarben
bekannt sein. Ebendiese Informationen, die in Farbprofilen gespeichert
sind, erlauben dem Color Management System genaue Vorhersagen und damit korrekte Konvertierungen. Ohne sie - also ohne Bezugssystem -
sind Farbwerte (wie z.B. R120/G255/B190) nicht aussagekräftig. Dem gegenüber stehen die
geräteunabhängigen Farbsysteme, die auf absoluten, allgemeingültigen Farbangaben
beruhen und daher keine zusätzlichen Informationen über ihre Bezugssysteme benötigen, um eindeutig zu sein.
Geräteunabhängige Farbsysteme
 

Geräteunabhängig (device independent) sind jene Farbsysteme, deren interne Beschreibungen auf absoluten Farbangaben beruhen. Absolut bedeutet hier,
dass jede Farbwertkombination nicht wie bei gerätespezifischen Farbsystemen
das Resultat spezieller, jeweils definierter Grundfarben ist, sondern dass Farb-Werte hier eindeutige Positionen in einem allgemeingültigen
farblichen Bezugssystem darstellen. Diese Bezugs- oder Koordinatensysteme, wie z.B. L*a*b oder XYZ
besitzen im Rahmen der Anforderungen von Color Management Eindeutigkeit und müssen nicht in Form eines Farbprofils
vorliegen.
Gesamtfarbauftrag
 

Der Gesamtfarbauftrag (total ink limit) ist ein Begriff aus der Druckersprache und besagt, wie viel Prozent Druckfarbe maximal am Druckbogen übereinander
aufgetragen werden kann, ohne dass technische Probleme auftreten. Im Vierfarbendruck sind Gesamtfarbaufträge zwischen
250% und 370% üblich. Alle vier Druckfarben vollflächig übereinander gedruckt würden 400% ergeben.
Gesamtfarbaufträge sind Erfahrungswerte und sind im Rahmen von Color Management in Drucker-Farbprofilen als unveränderliche Information
gespeichert. Das Überschreiten des jeweils spezifizierten Gesamtfarbauftrages führt zu Problemen bei der Haftung und Trocknung der Druckfarbe und
sollte unbedingt vermieden werden. Zu geringer Gesamtfarbauftrag bedeutet andererseits eine schlechte Ausnützung der druckbaren Kontraste.
Bei der Bildbearbeitung im CMYK-Modus kann es leicht passieren, dass der bei der Separation angewendete Gesamtfarbauftrag
des Bildes über- oder unterschritten wird. Daher sollten die Tiefenbereiche bei jeglicher Bearbeitung von CMYK-Bildern unangetastet bleiben.
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© 2009 Grafik Krausz, Juergen Krausz, Graz/Austria/EU. Alle Rechte vorbehalten. | Letzte Aktualisierung: 28.11.2008
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